Die Märchenfee      

 

Neue Märchen braucht das Land! 

Liebe Leserinnen und Leser! Ich wünsche Ihnen viel Spaß 
beim Lesen meiner Märchen und freue mich über Ihr Feedback!

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Von einer die auszog, das Loslassen zu lernen

Es war einmal … vor langer, langer Zeit. Das gab es eine Frau, die konnte einfach nicht loslassen. Sie ging zum Bäcker um Brot zu kaufen und wollte ihr Geld nicht hergeben. Sie schrieb einen Brief und schaffte es nicht, diesen abschicken. Und so weiter und so fort. So konnte das nicht weiter gehen. Eines Tages ging sie zu einer weisen Frau, die im Wald lebte um Rat zu suchen. „Was ist dein Begehr?“, fragte diese und die Frau erzählte von ihrem Problem. Die Alte sagte: „Du hast kein Vertrauen in das Leben, du glaubst, wenn du etwas festhältst, dass dann alles so bleibt wie es ist. Veränderung ist der Sinn des Lebens! Du musst jetzt schleunigst das Loszulassen lernen, sonst stirbst du irgendwann und hast vorher nie richtig gelebt. Und eines sei dir gewiss, egal was es ist im Leben, was wirklich zu dir gehört, das kommt zu dir zurück! Du brauchst nichts festzuhalten, außer einen Regenschirm wenn es regnet oder einen Löffel beim Suppenessen.“ 

Die Frau hatte verstanden, aber wie sollte ihr das Loslassen so einfach gelingen, so von heute auf morgen? Sie wusste es nicht. Sie ging wieder nach Hause und grübelte über die Worte der weisen Alten. So beschloss sie am nächsten Tag das Dorf zu verlassen, den Heimatort hinter sich zu lassen um in der Fremde das Loslassen zu lernen.

Dieser erste Schritt war ein großer, es fühlte sich alles andere als gut an, von Zuhause fort zu gehen, doch wusste sie auch, dass die Lage ernst war und dass im Alltagstrott das Loslassen wahrscheinlich überhaupt nicht gelingen würde.

Sie packte einen Rucksack mit den notwendigen Sachen, nahm ihr ganzes Geld mit und ging fort.

Schon am ersten Tag lernte sie einen Wandersmann kennen, der ihr Gesellschaft leistete. Es war schon eigenartig zu jener Zeit, dass sich eine Frau auf Wanderschaft begab, aber warum nicht, der Weggeselle war neugierig und so erzählte sie ihm von ihrem Vorhaben. Er war ein guter Mann und hatte ein offenes Ohr und Herz für andere Menschen und so bot er der Frau sein Geleit an, ohne jedwede Hintergedanken.

Gemeinsam gingen sie und sprachen über Gott und die Welt. Es war ein heißer Sommertag und sie kamen an einen kleinen See. Oh das war jetzt eine gute Übung zum Loslassen fand der Mann. Sie sollten baden gehen und sich dabei ihrer Kleider entledigen, denn alles andere wäre dumm gewesen. Die Frau bestand jedoch darauf, alleine im See zu baden, der Wandersmann musste sich derweil gedulden und auf sie warten, denn der Anstand gebot es so. Loslassen hin oder her, es reichten ihr erst einmal sich von den züchtigen Kleidern zu befreien und nackig ins kühle Nass zu steigen.

Oh wie wohl tat das nach dem langen Marsch in der glühend heißen Sommerhitze. Die Frau schwamm im See und vergaß dabei ganz darauf, auf ihre Kleider zu achten. Sie hatte zum ersten Mal in ihrem Leben so richtig losgelassen, das erfrischende Erlebnis im See stand über allem und sie genoss die Abkühlung so sehr, dass sie sich so richtig wohl und glücklich fühlte. Der Wandersmann hielt Wort, er saß im Schatten eines Baumes und wagte es nicht, einen Blick auf den See zu werfen. In der schwülen Mittagshitze war er bald eingeschlafen und die Frau genoss derweil noch immer das kühle Bad. Doch irgendwann war es genug und sie schwamm ans Ufer zurück. Halt, Moment, hatte sie die falsche Stelle erwischt, hier, ja genau hier, hatte sie doch ihre Kleider abgelegt. Aber nein, das konnte nicht sein, die Kleider waren weg, und der Rucksack mit all ihren Habseligkeiten auch! Ein schlechter Scherz dachte sie noch und rief nach ihrem Begleiter. Dieser schnarchte noch immer am weit entfernten Baumstamm und konnte das Rufen nicht hören. Endlich war er aufgewacht, doch wusste er nicht, ob er in Richtung See blicken durfte, es gab ja diese Abmachung, an die er sich halten wollte. Als er aber die Rufe der Frau vernahm, hielt er sich die Hand vor die Augen und marschierte in Richtung Seeufer. Oh nein, jetzt war das Gezeter groß, die Frau war während ihrem Bad im See beraubt worden! Das hatte sie nun von ihrem Loslassen, so eine Gemeinheit! Und gerade war sie noch so glücklich und stolz auf sich selbst gewesen, dass sie es geschafft hatte, sich endlich einmal frei zu fühlen, zu genießen und das zu tun worauf sie eben Lust hatte. Und jetzt, was war jetzt, ohne ihre Kleider und ihre Habseligkeiten war ihre Reise hier zu Ende, und sie wusste nicht einmal wie sie aus dem See kommen sollte, ohne sich die Blöße zu geben, sich nackt vor einem fremden Mann zu zeigen. Just in diesem Moment näherte sich eine prunkvolle Kutsche dem See und hielt vor den beiden an. „Was ist hier los?“, fragte ein fescher junger Mann aus der Kutsche heraus. „Oh, mein gnädiger Herr, Sie müssen schon entschuldigen, ich kann das alles erklären!“, säuselte der Wandersmann. „Sehen Sie diese feine Komtesse *) hier, sie wurde nicht nur ihrer Kleider beraubt, als sie baden ging im See, sondern auch ihrer Kutsche und allem Samtundsonders noch dazu!“

Der jungen Frau im See hatte es die Sprache verschlagen, der Wandersmann zwinkerte ihr aufmunternd zu.

„Oh wie überaus unangenehm. Wir dürfen der Komtesse helfen?“, meinte der feine Herr in der Kutsche.

Und ehe sie sich´s versah wurde der Frau im See eine Decke gereicht, in die sie sich einhüllte und somit endlich aus dem Wasser steigen konnte.

„Mein Schloss ist nicht weit von hier, bitte begleitet mich doch, ich möchte euch hier nicht so alleine lassen in de Wildnis, ohne Kutsche und ohne Kleider!“

Und so folgten die Frau und der Wandersmann der Einladung des feinen Grafen, der nicht nur höflich und fesch, sondern auch noch reich war.

Wie es sich heraus stellte, fand der Graf Gefallen an der fremden Komtesse und hielt noch am selben Tag um ihre Hand an. Ihre Herkunft war ihm piepschnurzegal, denn er hatte sich gleich in sie verliebt, als er sie im See erblickte.

So hatte die Frau das Loslassen auf eine Art und Weise gelernt, wie sie es nicht für möglich gehalten hätte. Zuerst freiwillig und voller Glückseligkeit und dann durch einen Diebstahl, und damit verbunden voller Verzweiflung, Zorn und Wut. Doch ja, das Leben findet sich, findet seinen Weg, und wer sich auf den Weg gemacht hat, der lernt seine Lektionen. Und was sind ein Bündel alter Kleider, ein Rucksack und ein paar Habseligkeiten gegen einen Grafen, ein Schloss und ein Leben in Hülle und Fülle?

Oh ja, oft weiß man im Leben nicht für was etwas gut ist. Doch eines sei gewiss, es hat alles einen Sinn, und manchmal braucht es eben ein wenig Unterstützung von einem freundlichen Weggesellen, um das Loslassen zu lernen.  

*) Zur Erläuterung: Eine Komtesse ist eine unverheiratete Gräfin. 

Autorin: Nina Stögmüller, Märchen aus dem Buch "Mein Raunächtetagebuch", Verlag Anton Pustet, 2016


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Weihnachten im Lift

Es war einmal … an einem Weihnachtsabend. Da blieb eine kleine Familie, die Weihnachten bei ihrer alten Tante feiern wollte, im Lift stecken. Die Wohnung von Tante Erna befand sich im zehnten Stock eines Hochhauses und natürlich benutzte man da gerne den Lift. Im fünften Stock fing der Lift zu ruckeln an und blieb zwischen dem siebten und achten Stockwerk schließlich stecken. Der Notfallknopf wurde gedrückt. Was nun? Weihnachten im Lift? Vater Herbert musste schmunzeln. Mutter Anita schüttelte den Kopf: „Warum grinst du denn so?“. „Weil nun Hoffnung besteht, Weihnachten NICHT mit deiner Tante Erna verbringen zu müssen!“ „Ja aber sie hat doch niemanden mehr außer uns!“, protestierte Anita. Das Kind mischte sich ein: „Ich muss auf´s Klo!“ Oje, jetzt gab es also noch einen Notfall. „Ist es schon recht dringend?“, fragte die Mutter. Klein Anna nickte. So war das nun. Weihnachten im Lift. Mütter sind immer kreativ und so packte Anita jetzt ein Geschenk aus, das eigentlich für Tante Erna gedacht war. Es handelte sich um eine Orchidee in einer schönen Glasschale, die aussah wie ein Goldfischglas. Geschickt hievte Anna die Orchidee aus dem großen runden Glas und funktionierte es in ein „Topferl“ für ihre vierjährige Tochter um. Jetzt fing Vater Herbert schallend an zu lachen. „Endlich hat so ein Weihnachtsgeschenk auch einmal einen praktischen Nutzen!“, gluckste er. „Hast du etwas getrunken? Ich finde das jetzt wirklich nicht lustig!“, meinte Anita. „Das ist ein gutes Stichwort!“, Herbert packte ein weiteres Geschenk für Tante Erna aus. Eine edle Flasche Rotwein. „Zum Glück mit Schraubverschluss!“, freute sich Herbert und nahm einen ordentlichen Schluck. Klein Anna war zufrieden. „Darf ich das Topferl behalten? Es ist so schön?“ „Ich glaube schon!“, Vater Herbert amüsierte sich köstlich und erfreute sich an dem feinen Rotwein. „Na gut, dann lass mich auch mal trinken!“, Anita war nun bereit für Alkohol. Zum Wein wurden nun auch noch die Kekse verspeist, die für Tante Erna gedacht waren. Ein Notfall erlaubt alles. Die Zeit verging. Die kleine Familie steckte nun schon eine Stunde im Lift fest. Mittlerweile saßen die drei am Boden des Lifts und sangen Weihnachtslieder um sich die Zeit zu vertreiben. Anita war nun auch schon ein bisschen in Weinlaune und packte das dritte Geschenk für Tante Erna aus. Eine wunderschöne Kerze! Herbert zündete sie an und ja es herrschte nun wirklich Weihnachtsstimmung in diesem Lift. Anita meinte noch: „Glaubst du nicht, dass wir mit der Kerze den Feueralarm auslösen?“ Und Herbert lachte laut auf: „Na dann kommt vielleicht endlich jemand drauf, dass wir hier im Lift stecken!“ Klein Anna durfte schließlich ihre Geschenke auspacken, das Christkind hatte diese in den Lift gezaubert. Die Flasche Wein war fast ausgetrunken, die Kekse ratzeputz aufgegessen. Anna war in den Armen der Mutter eingeschlafen und die Eltern erzählten sich von ihren Weihnachten aus der Kindheit. Schon irgendwie gut, dass sie die Handys zu Hause hatten liegen lassen. Doch mittlerweile war irgendjemand drauf gekommen, dass da irgendwo in der Stadt Leute in einem Lift fest steckten. Drei Stunden verbrachte die kleine Familie in diesem Lift und es war das schönste Geschenk, das ihnen das Christkind hatte machen können. Tante Erna war natürlich ärgerlich über die Verspätung. Aber das war heute Abend nicht mehr wichtig. Nachdem die Familie aus dem Lift geborgen worden war, sagten Anita und Herbert kurzfristig Weihnachten bei Tante Erna ab. Sie hatten ja auch keine Geschenke mehr für sie - und die umgetopfte Orchidee war auch keine wirkliche Alternative. So fuhren die drei mit dem Taxi heim und feierten zu Hause weiter. Klein Anna hatte die meiste Freude mit ihrem „Goldfischglas“, das natürlich gewaschen wurde und nun als Swimmingpool für die Puppen diente. Herbert und Anita genossen die Zeit miteinander und beschlossen, dass Weihnachten in Zukunft immer so sein sollte. Natürlich wollten sie es nicht im Lift feiern, sondern bei sich zu Hause. Und was ist mit Tante Erna? Die hatte beschlossen von nun an Weihnachten mit ihrer guten alten Freundin zu feiern, die auch alleine lebte. Der Familienbesuch wurde schließlich am 25. Dezember nachgeholt. Tante Erna bekam eine Flasche Rotwein, Kekse und einen Kaktus geschenkt. Und was für ein Weihnachtswunder, die neue Weihnachtsfeierregelung gefiel plötzlich allen!

 

Frohe Weihnachten!


Autorin: Nina Stögmüller


Die rosarote Wolke

Es waren einmal … viele rosarote Wolken, die begleiteten die Menschenkinder auf ihren Lebenswegen. Ihr müsst wissen, jeder Mensch bekommt, wenn er auf die Welt kommt, eine rosarote Wolke vom Himmel geschenkt. Die darf er sich mit auf die Erde nehmen, damit sie ihn beschützt und für ihn da ist. Rosarote Wolken haben die Eigenschaft, dass sie lustig sind und dafür sorgen, dass es im Leben etwas zum Lachen gibt. Bei manchen Menschen ist die rosarote Wolke sehr groß, diese Leute erzählen gerne Witze, sind lustig und humorvoll und können auch andere gut zum Lachen bringen. Andere rosa Wölkchen sind eher kleiner und bringen ihre Besitzer eher zum Schmunzeln. Aber egal, Hauptsache jeder hatte seine rosarote Wolke. Doch eines schönen Tages, da passierte es, dass ein Menschenkind auf die Erde kam, ohne eine solche Wolke. Ihr könnt euch vorstellen, wie traurig dieses Kind war. Nichts konnte es zum Lachen bringen. Es wusste nicht einmal, wie es ein Lachen hätte zustande bringen sollen. Doch wie wir wissen macht Gott keine Fehler und alles ist gut so wie es ist. Eines schönen Tages sah der kleine Peter eine dunkelgraue Regenwolke am Himmel und betrachtete diese fasziniert. So eine Wolke wollte er haben! Wenn auch die Wolken der anderen rosarot waren, fand er eine graue Wolke genauso schön. Doch wie gewinnt man eine dunkle Regenwolke für sich? Peter ging ins Freie und kletterte auf den höchsten Baum, den erfinden konnte. Von hier aus rief er ganz laut: „Liebe graue Wolke! Willst du meine Wolke werden?“ Und die Regenwolke fühlte sich geschmeichelt, sodass sie gleich ganz rot wurde, nicht ganz, sondern irgendwie rosarot. Und von diesem Tag an hatte der kleine Peter auch seine eigene rosarote Wolke. Doch müsst ihr wissen, dass sich die Freundschaft der beiden schnell auf das Gemüt des Kindes auswirkte. Peter konnte jetzt ganz viel Lachen und verstand auch die Scherze der anderen. Und als er größer wurde, da sagte man, dieser Peter habe einen schwarzen Humor. Das kommt wohl davon, wenn man sich mit einer vormals dunklen Regenwolke einlässt J!   

(c) Nina Stögmüller

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Die Müllzwerge

Es war einmal … in einem Wald. Da lebten die Zwerge und achteten auf die Natur und passten auf, dass alles im Gleichgewicht blieb. Als nach vielen hundert Jahren auch die Menschen diesen Wald für sich entdeckten, da war für diZwerge noch viel mehr zu tun. Denn manche der menschlichen Waldbesucher schmissen achtlos ihren Müll in die Natur und dachten sich nichts weiter dabei.

Auch Tobias warf beim Wandern eine leere Plastikflasche achtlos in den Wald hinein und als ihn die Mutter fragte, wo die Flasche denn geblieben wäre, da mogelte er und sagte, er hätte sie irgendwo verloren. Bei der Plastikfolie des Müsliriegels machte er es genauso und auch die Bananenschale landete am Waldboden.

Die guten Zwerge waren schon aufmerksam geworden auf Tobias, denn sie ärgerten sich furchtbar, wenn jemand seinen Abfall im Wald hinterließ. So auch diesmal. „Wenn er noch einmal etwas wegschmeißt, dann müssen wir ihm wohl eine Lehre erteilen!“, meinte der älteste Zwerg. „Dreimal haben wir nun schon ein Auge zugedrückt, ein viertes Mal werden wir das nicht tun!“

Und wirklich, nach einer Weile, da aß Tobias sein Wurstbrot auf und ließ die Alufolie, in der es eingepackt war, einfach beim Gehen fallen.

„So nicht!“, rief einer der Zwerge wütend. Und sie überlegten, wie sie dem Jungen eine Lehre erteilen konnten.

Als Tobias von der Wanderung nach Hause kam, da erschrak er, als er sein Zimmer betrat. Denn auf seinem Bett lag der ganze Müll, den er während des Tages im Wald achtlos weggeworfen hatte. Auf einem Zettel stand die Botschaft der Zwerge geschrieben: „Der Wald ist keine Müllhalde! Hier hast du deinen Müll zurück!“

Ab diesem Tag war Tobias bewusst geworden, dass es falsch war, seinen Müll einfach dort fallen zu lassen, wo es ihm gerade gefiel. Seine Achtlosigkeit hatte die Zwerge dazu veranlasst, dem Jungen einen kleinen Streich zu spielen und ihre Aktion zeigte Erfolg. Ab sofort wurde Tobias achtsamer im Umgang mit seinem Abfall. Beim Wandern nahm er den Müll jetzt entweder mit nach Hause oder er warf diesen in einen Mülleimer am Wegesrand.

Die Zwerge waren zufrieden mit Tobias und spielten ihm ab diesem Zeitpunkt auch keine Streiche mehr. So hatte ihre beherzte Aktion dafür gesorgt, dass Tobias Zeit seines Lebens keinen Müll mehr in der Natur wegwarf, und er machte nun auch andere Menschen darauf aufmerksam, dass jeder etwas dazu beitragen kann, die Umwelt zu schützen.  

(c) Nina Stögmüller

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Der Werfrosch 

(Ein Märchen nach einer gezeichneten Idee von Stefan Kahlhammer

Es war einmal … ein Frosch, der war sehr unglücklich. Er hatte es satt, einer unter hunderten von anderen grünen Fröschen im großen Teich zu sein und wünschte sich nichts sehnlicher, als ein schöner Prinz zu werden. Angeblich war das einem Frosch schon einmal gelungen, warum sollte das nicht auch ein zweites Mal möglich sein? Zeit seines Lebens quakte er schon davon, zum Prinz zu werden. Und seine Froschkollegen hörten ihm mittlerweile gar nicht mehr zu, wenn er wieder einmal vom Prinz-Sein träumte.

 Eines Tages saß der unglückliche Frosch wieder einmal auf seinem Lieblingsseerosenblatt und sprach mit sich selbst: „Ach, wenn ich doch kein Frosch mehr sein müsste, und endlich ein Prinz sein könnte, ach wie wär´ das schön!“ Und der Frosch seufzte. Eine Libelle war auf den Frosch aufmerksam geworden und gesellte sich zu ihm. „Was willst du, ein Prinz willst du sein?“ Und der Frosch nickte. „Da soll es eine Hexe geben im Wald, die so was kann! Besuch´ sie doch mal und versuch´ dein Glück!“, und fort war sie wieder die Libelle und der Frosch machte große Augen. Den Teich verlassen und in den Wald gehen? Das klang irgendwie ungemütlich. Doch der Frosch war mutig und wollte so gern ein Prinz sein, also machte er sich noch am selben Tag auf die Reise um die Hexe im Wald zu finden.

Und wirklich, er entdeckte schon bald das Hexenhaus im Wald und weil er so klein war und nicht an die Tür klopfen konnte, hüpfte er gleich direkt beim offenen Fenster in die gute Hexenstube. Man muss wissen, dass Frösche damals sehr oft als Zutaten für Zaubertränke verwendet wurden und so hatte der Frosch großes Glück, dass er vorerst noch am Küchentisch landete und nicht gleich im Hexenkessel.

 

„Was willst du glitschiges Tier auf meinem Küchentisch?“, fauchte ihn die Alte an.

 

„Oh, entschuldigen Sie vielmals, ich wollte Sie nicht stören!“

 

„Na, dann zisch wieder ab, oder ich verkoche dich zu Glibbersaft!“

 

Der Frosch konnte es sich gerade noch verkneifen, danach zu fragen, was denn Glibbersaft sei, aber interessiert hätte ihn dieser Saft schon. Doch sein Leben war ihm lieber als seine Neugierde und so hielt er besser den Mund.

Flugs sprang er zum Fenster hinaus und versteckte sich unter einem großen Huflattichblatt. Ganz hatte er die Hoffnung nämlich noch nicht aufgegeben, doch noch zum Prinzen verwandelt zu werden und so wartete er, bis es dunkel wurde, um sich dann wieder in die Hexenküche zu begeben.

Das Fenster war noch immer sperrangelweit offen und so war es ihm ein Leichtes ein zweites Mal in das Hexenhaus hineinzuspringen. Auch diesmal landete er am Küchentisch, nur leider hatte die Hexe gerade einen neuen Zaubertrank angesetzt, in den der Frosch jetzt in hohen Bogen mitten hinein sprang. „Platsch“ machte es und der Frosch strampelte um sein Leben. Der Topf war randvoll mit dem Trank und so schluckte der kleine Grüne ordentlich viel davon. Es war ein neues Haarwuchsmittel, das die Hexe ausprobieren wollte, um es dann teuer an Menschen mit Glatzen zu verkaufen, oder damit Leuten, die sie nicht mochte, Haare auf den Zähnen wachsen zu lassen, oder an anderen Körperstellen, an denen Haarwuchs eher unerwünscht ist.

Unser kleiner Frosch schaffte es irgendwie sich aus dem Topf zu strampeln. Vor lauter Schreck sprang er schnell wieder zum Fenster hinaus und hatte in seiner Todesangst ganz darauf vergessen, dass er eigentlich ein Prinz sein wollte. So schnell er gekommen war, so schnell hüpfte er jetzt wieder nach Hause zurück in seinen Heimatteich und erholte sich auf seinem Seerosenblatt von den Strapazen im Hexenhaus.

Schnell schlief er ein und als er am Morgen wieder erwachte, da war ihm ganz komisch zumute, denn rund um ihn waren alle Frösche des Teiches versammelt und starrten ihn an. Dem Frosch waren über Nacht Haare gewachsen, am ganzen Froschleib war er behaart und das sah wirklich sehr, sehr seltsam aus.

Als er sein Spiegelbild im Wasser erblickte, erschrak er und stieß einen so lautes Quaken aus, wie es noch nie ein Frosch zuvor vernommen hatte. Die anderen Frösche erschraken und suchten schnell das Weite. Sie glaubten, dass der Frosch zu einem Monster geworden war.

Doch je länger der Frosch sein Spiegelbild betrachtete, desto besser gefiel ihm sein neues Erscheinungsbild. Er war zwar kein Prinz geworden, aber dafür ein Frosch mit Haaren. Ab sofort gab er sich selbst den Namen „Der Werfrosch“, und wer ihn fragte, wo her seine Behaarung stamme, dem erzählte er ganz stolz die Geschichte vom großen bösen Werwolf gegen den er gekämpft hatte im Wald und deshalb nun auch selbst zum Werfrosch wurde. Irgendwann glaubte er seine Geschichte vom „Werfrosch“ wohl selbst und war stolz darauf, etwas ganz Besonderes zu sein. Vor lauter Überzeugungskraft wuchsen dem Fröschlein schließlich auch noch schaurig schöne Reißzähne. Denn Glaube versetzt bekanntlich Berge und ließ in diesem Fall einem Frosch Zähne wachsen. Und wenn der Vollmond über den Teich schien, dann nahm der „Werfrosch“ seine ganze stimmliche Froschkraft zusammen und quakte aus Leibeskräften den Mond an. Seine scharfen Reißzähne blitzen im Mondlicht und er war rundherum glücklich.

(c) Nina Stögmüller

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Die magischen Schuhe

Es war einmal ... ein Paar Schuhe. Die standen schon lange in einem Schuhgeschäft herum und langweilten sich. Längst waren sie im preisreduzierten Regal gelandet, und trotzdem wollte sie keiner haben. Doch eines Nachts, da kam die Schuhfee geflogen und erlaubte sich, in diesem Schuhgeschäft nach dem Rechten zu sehen. Oh was klagten da die Schuhe ihr Leid, dass sie ständig anprobiert - und dann doch nicht gekauft wurden. Doch unser Paar Schuhe konnte da gar nicht mitreden, noch nie war ein menschlicher Fuß in sie hinein geschlüpft, noch nie wurden sie von einem Menschen getragen. Doch die Schuhfee fand das gar nicht schlimm, denn ungetragene Schuhe sind etwas ganz Besonderes. Das wissen viele Menschen nicht, dass ein nigelnagelneues Paar Schuhe, das noch niemand anprobiert hat, magische Kräfte entwickeln kann. Und so verstärkte die Schuhfee die Kräfte der Schuhe, die bis jetzt noch niemand haben wollte, mit einem ganz besonderen Zauberspruch. "Wille, walle, wolle, Schuhkäuferin so tolle, schlüpf hinein, so sind sie dein, schlüpf hinein, das Schuhglück ist dein, so soll es sein!" Und so kam es wie es kommen sollte, beim nächsten Ausverkauf interessierte sich eine junge Frau für die Schuhe und probierte sie an. So ein gutes Gefühl hatte die Frau schon lange nicht mehr, die neuen Schuhe passten perfekt und der Preis war auch sehr in Ordnung. Als die Käuferin die neuen Schuhe zu Hause zu ihrem gelben Sommerkleid probierte, staunte sie nicht schlecht, als die vormals braunen Schuhe die Farbe wechselten und in dem schönsten Sonnengelb, das die Schuhwelt je gesehen hatte, ledern glänzten. So probierte die Frau schließlich ihre gesamte Garderobe durch und konnte voller Freude feststellen, dass die "neuen" Schuhe immer wieder die Farbe wechselten, und sich harmonisch an die Farbtöne der Kleidung anpassten. Ein echtes Schuhwunder! Die junge Frau hatte schuhtechnisch ausgesorgt. Nie wieder musste sie Schuhe kaufen gehen und nie wieder hatte sie ein Problem damit, dass die Schuhe nicht zum Rest der Kleidung passten. Auch unsere Schuhe freuten sich, dass sie von der Schuhfee so magische Fähigkeiten mit auf den Weg bekommen hatten. Das lange Warten hatte sich gelohnt, denn nun spazierten unsere Schuhe täglich durch die Welt und wenn sie heute nicht gerade gelb sind, dann sind sie vielleicht rosarot!   

(c) Nina Stögmüller  

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Der erste Kuss

Es war einmal ... ein Kuss, der noch nicht statt gefunden hatte. Es war ein ganz kleiner Kuss, so einer der den Anfang macht für einen wirklich großen Kuss. Doch gerade diese kleinen Küsse sind die besonders wichtigen, wenn es um den Beginn einer Liebe geht. Der erste Kuss besiegelt die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen, der erste Kuss ist magisch, denn es kann ihn wirklich nur ein einziges Mal geben. So begab es sich, dass ein junger Mann in ein Mädchen verliebt war. Sie verstanden sich gut, doch würden die Gefühle reichen, um diesen ersten Kuss stand zu halten? Beide fragten sich das insgeheim, denn auch das Mädchen war in den jungen Mann verliebt. Keiner traute sich so recht, den ersten Schritt zu tun und so lächelten sie sich zwar immer wieder liebevoll an, wenn sie miteinander sprachen, doch der erste Kuss schien in weiter Ferne. "Was, wenn sie mich nicht mag und mich gar nicht küssen will?", dachte sich der Bursch. "Vielleicht gefalle ich ihm gar nicht, und deswegen küsst er mich nicht?", grübelte das Mädchen. Doch da die jungen Leute in einer modernen Welt lebten, in der fast alles möglich war, und in der es für jeden Anlass einen eigenen Tag gab, kam es, dass der verliebte junge Mann vom Welttag des Kusses erfuhr. "Was für eine Gelegenheit!", dachte er! So verabredete er sich an einem 6. Juli mit seinem Augenstern und versuchte erst gar nicht darüber nachzudenken, was er da eigentlich tat. "Heute ist übrigens der Welttag des Kusses", sagte er bei der Verabschiedung so beiläufig wie möglich und sah dabei in die strahlendsten Augen der Welt. "Ja wirklich?", säuselte sie und blickte ihm dabei tief in die Augen. Jetzt waren alle Hürden genommen, und der erste kleine Kuss durfte sein Lieblingswerk tun, nämlich küssen! "Schmatz!", mmmh, der schmeckte wirklich gut! Der Welttag des Kusses hatte dazu beigetragen, dass sich die beiden Liebenden endlich trauten "mündlich" aufeinander zu zu gehen. Und angeblich wurde diese internationale Tag genau aus diesem Grund erfunden, dass es einen besonderen Tag im Jahr gibt, an dem alle ersten Küsse, die schon lange darauf warten geküsst zu werden, endlich möglich werden! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute! 

(c) Nina Stögmüller

*******************************************************************************************************Die Märchenfee und das Schlossgespenst

Es war einmal ... eine Märchenfee, die liebte es Märchen zu lesen, zu schreiben und zu erzählen. Da begab sie sich eines Tages auf ein Schloss im schönen Mühlviertel mit dem Namen "Schloss Weinberg". Im Turmzimmer fand die Märchenfee eine neue Schreibheimat und konnte gar nicht mehr aufhören zum Schreiben. 

Doch am Abend, da wurde sie sehr müde und legte sich bald zur Ruh. Kaum war die Märchenfee eingenickt, da erschien ihr im Traum ein Schlossgespenst und bat sie um Hilfe. "Liebe Märchenfee, jetzt wo du schon bei uns im Schloss bist, kannst du uns Geistern und Gespenstern vielleicht ein wenig helfen." Die Märchenfee glaubte zu träumen und sprach wie selbstverständlich mit dem freundlichen Schlossgespenst: "Was kann ich denn für dich tun, du Gespenst du!?"

"Weißt du liebe Märchenfee, die Menschen hier im Schloss glauben nicht mehr an uns. Sie sagen Geister gibt es nicht und seit so viele Leute unser schönes Schloss besuchen,  haben wir Schlossgespenster überhaupt keine Ruhe mehr, in jedem Winkel des Schlosses findet ein Seminar oder eine Veranstaltung statt und fremde Leute schlafen in unseren Zimmern!"

Als die Märchenfee tags darauf erwachte, konnte sie sich noch haargenau an den Gespenster-Traum erinnern. Sie sprach mit dem Schlossverwalter über den ungewöhnlichen Wunsch der Schlossgeister und gemeinsam kamen sie auf eine gute Idee. Künftig wurde den Gespenstern im Schloss ein eigenes Zimmer gewidmet, das hieß von nun an " Das Geisterzimmer", hier durften sie spuken wie sie wollten und wer sich in diesem Zimmer übernachten traute, der hatte am nächsten Tag viel zu erzählen. Es waren keine bösen Geister im Schloss sondern "nur" die lieben alten Schlossgespenster, die schon fast 800 Jahre in dem schönen Schloss ihr gespenstisches Dasein verbrachten. Manche geisterten in der Ahnengalerie im dritten Stock herum, andere kamen aus den Portraits an den Wänden, die man überall im Schloss entdecken konnte. 

Die Gespenster waren glücklich, dass ihnen die Märchenfee geholfen hatte, endlich wieder gewürdigt zu werden im Schloss. Als Dank dafür erzählten sie der leidenschaftlichen Schreiberin viele, viele Geschichten und Begebenheiten aus früherer Zeit, die sogleich in neue Märchen verwandelt wurden.  

(c) Nina Stögmüller

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Das kleine weiße Elfchen

Es war einmal ... ein kleines Mädchen, das wollte unbedingt einen Apfelbaum pflanzen. Das Mädchen hatte gehört, dass Äpfel auf Bäumen wachsen und dass Bäume aus Samen in der Erde empor wachsen. 

Eines Tages aß das Mädchen einen Apfel und sammelte die Kerne in einer kleinen Schale. Mit dieser Schale ging das Mädchen in den Garten, vergrub die Samenkerne in der Erde, dann goss es die Stelle mit Wasser und blieb erwartungsvoll davor stehen. 

Nach einer guten Stunde taten dem Mädchen die Beine weh und es setzte sich ins Gras. 

"Aua", hörte es plötzlich etwas unter sich rufen und sprang schnell wieder auf um nachzusehen, auf was es sich denn da drauf gesetzt hatte. 

Das Mädchen machte große Augen, im Gras saß eine kleine weiße Elfe und rieb sich das klitzekleine Schienbein. 

"Du hast dich auf mich drauf gesetzt!", beschwerte sich die kleine Elfe. 

"Entschuldige, ich habe dich nicht gesehen.", antwortete das Mädchen kleinlaut. 

"Ist nicht so schlimm, Elfenknochen heilen schnell und falls etwas Schlimmes passiert wäre, dann hätte ich mir einfach etwas Sternenstaub geholt, dann ist alles wieder gut!"

Das Mädchen staunte nicht schlecht über die kleine Elfe, die da im hohen Gras saß und wie selbstverständlich mit ihm sprach. 

"Was machst du denn hier?", fragte die Elfe das Mädchen.

"Ich habe vor einer Stunde einen Baum gepflanzt und warte, dass er wächst!" 

"Aha, und du glaubst also, dass dein Baum gleich vor dir hoch wächst, nachdem du ihn vor einer Stunde gepflanzt hast!?"

Das Mädchen nickte und starrte weiterhin auf die Stelle, wo es die Apfelsamen vergraben hatte.

"Jetzt weiß ich auch, warum du dich auf mich drauf gesetzt hast! Es ist nämlich immer so, dass wir Elfen nur dann in Kontakt mit Menschenkindern treten, wenn sie uns brauchen."

Die kleine Elfe erklärte dem Mädchen, dass ein Samenkorn viel Ruhe und Zeit braucht, bis es reifen kann und zu einem stattlichen Baum wird. Der Baum braucht dann auch noch eine Weile, bis er selbst Früchte tragen kann. So ist das eben in der Natur. Alles braucht seine Zeit. 

"So wie noch nie ein Meister vom Himmel gefallen ist, so ist auch noch kein Apfelsamen in einer Stunde zu einem Baum hoch gewachsen", erklärte die Elfe weiter. 

Das kleine Mädchen war schon ein bisschen enttäuscht, dass es so lange warten musste, bis das Samenkorn zu einem richtigen Baum werden würde. Viele Jahre sollte das dauern, so viele Jahre war das Mädchen doch selbst noch gar nicht alt!

"Was soll ich denn in der Zwischenzeit machen, bis mein Apfelbaum groß ist!?"

Die kleine Elfe lächelte: "Wenn du willst, dann bin ich immer für dich da und begleite dich, bis dein Baum Früchte trägt!"

Das Mädchen klatschte in die Hände und freute sich über seine neue kleine Freundin, die nur das Mädchen sehen konnte und die nur ihm allein gehörte. Eine Elfenfreundin zu haben, das war schon etwas ganz Besonderes! 

So schlossen die kleine Elfe und das kleine Mädchen Freundschaft und erlebten noch viele gemeinsame Abenteuer. 

(c) Nina Stögmüller

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