Die Märchenfee      

 

Neue Märchen braucht das Land! 

Liebe Leserinnen und Leser! Ich wünsche Ihnen viel Spaß 
beim Lesen meiner Märchen und freue mich über Ihr Feedback!
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Das Hup-Huhn!

Es war einmal … auf einem Bauernhof, da gab es viele, viele Hühner. Eines davon gackerte nicht wie die anderen Hühner, sondern gab stattdessen sonderbare Laute von sich. „Hup, Hup!“, machte das Huhn und die anderen Hühner wunderten sich. „Das ist doch nicht normal!“, meinten die Mutterhühner und das Hup-Huhn schämte sich. Immer seltener hörte man seine Huplaute, die sich unüberhörbar von dem restlichen Gegackere unterschieden. Traurig war es das Hup-Huhn, weil es glaubte, dass es nicht in Ordnung sei. So beschloss es eines Tages das richtige Gackern zu lernen. Heimlich schlich es sich in den Kuhstall, damit die anderen Hühner nicht mitbekamen, was es vorhatte. Erbärmlich klang es, wie sich das junge Huhn da abmühte und immer nur "Hup-Hup" von sich gab. Die Kühe schüttelten die Köpfe und muhten das arme Hühnchen aus dem Stall. Jetzt war das Hup-Huhn noch viel verzweifelter als vorher, es dachte doch, dass es das Gackern noch lernen konnte. Doch leider war das nicht der Fall. Völlig niedergeschlagen entdeckte das Hup-Huhn nun etwas, das gar nicht fein war: Der Fuchs hatte sich in das Hühnergehege geschlichen und packte sich gerade eine der gackernden Hühner. Das Hup-Huhn ging mutig auf ihn los und hupte so laut es konnte. Der Fuchs war verwirrt, ließ die andere Henne los und trollte sich. Nun war es ganz still im Hühnerhof. Kein einziges Huhn gackerte mehr. Alle starrten auf das Hup-Huhn, das einer von ihnen gerade das Leben gerettet hatte. Voller Freude und Dankbarkeit kam die Hühnerschar nun näher und umringte das Hup-Huhn. Von nun an war es das Helden-Huhn am Hof und durfte so laut hupen wie es nur wollte.

Autorin: Nina Stögmüller

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Die gläsernen Äpfel

 Es war einmal … eine Zeit, in der wuchsen gläserne Äpfel auf den Bäumen. Die Menschen kannten nichts anderes als gläserne Äpfel und gingen sehr sorgsam mit ihren Glasfrüchten um. Denn wenn die Äpfel reif wurden, war es gefährlich, dass sie von selbst vom Baum fielen. Geschah das, dann zersprangen die Äpfel in unzählige Scherben und niemand hatte mehr eine Freude damit. So wurde jedem Apfelbaum ein Mensch zugeteilt, der dafür verantwortlich war, dass die Äpfel aus Glas nicht am Erdboden zerschellten, sondern fein säuberlich gepflückt wurden. Es gab große Glasapfellager in diesem Land und niemand wusste so recht, etwas mit den Äpfeln anzufangen. Doch keiner getraute sich jemals einen solchen Apfel weg zu werfen, zu sehr waren die Menschen mit einem Gefühl der Hoffnung verbunden, das sie befiel, wenn sie die Glasäpfel ernteten.

Eines schönen Tages war die kleine Marie alt genug, um die Verantwortung für ihren eigenen Glasapfelbaum zu übernehmen. Ganz aufgeregt war das Mädchen, als es zu dem noch jungen Apfelbaum geführt wurde. Er trug genau drei Äpfel und für Marie war es ein leichtes, diese zu pflücken. Kaum hatte sie die drei Glasäpfel in ihren Korb gelegt, fing der Apfelbaum zu sprechen an: „Marie, bleib noch ein wenig! Willst du meine Geschichte hören?“

Marie drehte sich um, niemand war zu sehen. Hatte der Baum wirklich zu ihr gesprochen?

Sie ging wieder zurück zu ihrem ganz persönlichen Apfelbaum und lauschte.

„Ja, ich bin es, dein Apfelbaum!“

Nun erschrak Marie sehr. Noch nie im Leben hatte ein Baum zu ihr gesprochen!

„Es kommt nur einmal in tausend Jahren vor, dass ein Baum zu einem Menschlein sprechen darf!“, sagte der Baum. Marie fühlte sich geehrt. Und nun erzählte der Baum: „Weißt du Marie, unsere Äpfel waren nicht immer aus Glas. Vor vielen, vielen Jahren, da trugen unsere Äste saftige Früchte, welche die Menschen mit Genuss verzehrten! Doch dann glaubten die Menschen immer klüger werden zu müssen. Die Wissenschaft bestimmte schließlich, wie ein Apfel aussehen und schmecken sollte und irgendwann war es vorbei mit den natürlichen Äpfeln. Die Menschen verzüchteten unsere Früchte so lange, bis sie schließlich aus Glas waren. Wie freuten sie sich über diesen Erfolg, Äpfel aus Glas an einem Baum wachsen zu lassen. Doch die Menschen vergaßen, das alte Saatgut zu bewahren und so erinnerte sich irgendwann niemand mehr daran, dass es jemals Äpfel gegeben hatte, die man essen konnte.“

Marie machte große Augen. So etwas Sonderbares hatte sie doch noch nie gehört!

„Warum ich dir das erzähle?“, sprach der Apfelbaum weiter, „weil es noch Hoffnung gibt! Vielleicht bist du es, die der Menschheit die wahren Äpfel zurück bringt. Ich weiß es nicht. Jeder Baum versucht mit seinem Menschen zu sprechen, seit so langer Zeit ist es nicht mehr gelungen. Und heute, ja heute ist ein Freudentag, weil du mich hören kannst!“

„Ja aber wie soll es denn geschehen, dass die alten Äpfel wieder auf die Erde finden?"

„Das weiß ich selber nicht, ich bin ja nur ein einfacher Baum. Aber ich habe dir nun dieses Wissen weiter gegeben, und du bist ein Mensch, du hast ganz andere Möglichkeiten als wir Bäume!“

Marie wusste zwar nicht, was sie mit den Informationen des Baumes anfangen sollte, doch sie spürte, dass es wichtig war, dass sie vom Ursprung der Äpfel erfahren hatte. So ging sie nach Hause, mit ihren drei Glasäpfeln im Korb und dachte nach. Ihre alte Tante fiel ihr ein, die wusste doch immer so seltsame Geschichten von früher! Bei einem Besuch erfuhr Marie, dass die Tante die Vergangenheit der Äpfeln nicht kannte. Doch sie fand die Erzählungen sehr interessant und begann in einem komischen Ding zu blättern, das sie Buch nannte. Und wirklich, da gab es eine Fotografie, von Äpfeln, die nicht aus Glas waren, sondern ganz anders aussahen. Die rote Farbe war schön anzusehen, und man konnte sich gut vorstellen, dass jene Früchte nicht nur ein Augenschmaus waren. Doch mehr wusste die Tante auch nicht. Marie besuchte noch am selben Tag einen Glasapfelexperten, der ein eigenes Museum betrieb und alles wusste, was es auf diesem Gebiet zu wissen gab. Als sie ihre Geschichte erzählte, da bekam der alte Mann feuchte Augen: „Also stimmt es doch, dass wir Menschen so dumm waren, die guten Äpfel, die man essen konnte, auszurotten.“ Niemand hatte eine Ahnung, wann der letzte Apfel auf der Welt gegessen wurde, geschweige denn geerntet. Doch dann kam Marie auf eine gute Idee. „Wir müssen unsere gescheiten Gehirne anstrengen, um dafür zu sorgen, dass wir in Zukunft wieder Äpfel züchten, die man essen kann!“ Wenn das Gehirnschmalz der Menschen dazu fähig war, Äpfel aus Glas zu züchten, dann musste es doch wohl auch gelingen, die guten alten Äpfel wieder heimisch zu machen. Aber so sehr sich die Gehirne der Menschen auch anstrengten, niemand konnte mehr die guten alten Äpfel wieder bringen. Als Marie im nächsten Jahr zu ihrem Glasapfelbaum ging, war sie sehr betrübt, weil sie ihm keine andere Nachricht überbringen konnte, als dass die guten alten Äpfel, die man essen konnte, unwiederbringlich verloren waren. Der Apfelbaum war traurig, und Marie war es auch. So weinten sie gemeinsam über das Geschick der Menschheit und erweichten dadurch den Erdboden, der auch eine Kleinigkeit mitzureden hatte. „Hört auf zu weinen!“, sagte der Erdboden, „ich will euch trösten! Bis heute haben wir Erdschollen niemanden verraten, dass es auf der Welt noch einen Platz gibt, an dem die alten Äpfel wachsen. Es ist eine einsame Insel, die noch kein Mensch betreten hat.“ Diese Insel wollte Marie finden! Noch am selben Tag machte sich das junge Mädchen auf den Weg. Doch wo sollte sie anfangen zu suchen? „Nimm deine Glasäpfel mit!“, riet ihr der ganz persönliche Apfelbaum noch hinterher. Die Wanderschaft begann und führte Marie durch viele fremde Länder. Überall entdeckte sie Glasäpfelbäume, doch die geheimnisvolle Insel blieb ihr verborgen. Nach Jahren der Wanderschaft, war Marie zu einer jungen Frau heran gewachsen. Die vielen Begegnungen mit anderen Menschen ließen sie reifen, und mittlerweile hatte sie zwei Töchter, die sie auf ihrer Suche begleiteten. Die beiden Mädchen spielten am liebsten mit den Glasäpfeln der Mutter und waren sehr vorsichtig dabei, damit diese nicht zerbrachen. Eines schönen Tages, spielten die kleinen Mädchen am Ufer eines Sees. Dieser See war so groß, dass man das Ufer auf der anderen Seite nicht sehen konnte. Eigentlich war dieser See ein Meer, aber da die Kinder bis jetzt nur Seen kannten, war es ihnen noch nicht möglich, den Ozean zu erkennen. So spielten sie mit den Glasäpfeln, als plötzlich wie aus dem Nichts eine riesige Meereswelle über sie herein brach. Die Welle verschluckte die Schwestern samt den Glasäpfeln und nahm sie mit ins Meer. Doch das Wasser war gnädig und lies die Kinder wieder frei. Die drei Glasäpfel blieben verschwunden. Wie weinten jetzt die Mädchen, da sie ihr kostbares Spielzeug verloren glaubten, doch das Meer schenkte ihnen mit der nächsten Welle etwas anderes zum Spielen. Das neue Spielzeug war rot und sah aus wie die Glasäpfel, doch irgendwie fühlten sich diese Äpfel anders an. Schnell liefen die beiden zur Mutter um von ihren Erlebnissen zu berichten. Heilfroh über die Rettung schloss sie ihre Kinder in die Arme. Und dann entdeckte sie, was die Mädchen vom Meer mitgebracht hatten. Ja, es waren die Äpfel, nach denen sie so lange gesucht hatte. Aus dem alten Buch der Großmutter wusste sie, dass es die Samen im Kerngehäuse waren, die sie sammeln musste um neue Apfelbäume zu pflanzen. So durfte jedes der Mädchen nun einen Apfel essen und auch die Mutter verzehrte eine Frucht. Oh wie herrlich schmeckten diese wunderbaren Äpfel! Niemals hatten sie etwas Besseres gegessen. In einer kleinen Metalldose wurden die Kerne aufbewahrt. Marie machte sich nun mit ihren Töchtern auf die Heimreise. Wie es wohl ihrem Glasapfelbaum ergangen war? Er war der erste, dem sie einen Besuch abstattete, denn er war es auch gewesen, der sie in das alte Wissen der Äpfel eingeweiht hatte. Oh wie freute sich der Baum, und Marie musste ihm versprechen, dass sie einige der Samen gleich neben ihm pflanzen würde, damit er endlich einen richtigen Apfelbaum kennen lernen durfte. Die Jahre vergingen und die Samen der drei Äpfel wuchsen zu schönen Bäumen heran, trugen Früchte und wurden in der Welt als Wunder gefeiert. Marie erhielt viele Ehrenzeichen und Orden und ging als Nationalheldin in die Geschichte des Landes ein. Bis zu ihrem Tode führte sie immer eine kleine Blechdose mit Apfelsamen mit sich, und diese vermachte sie schließlich ihren Töchtern, die ihr versprechen mussten, dass diese Dose niemals leer sein durfte.


Autorin: Nina Stögmüller
www.diemaerchenfee.at

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Die Müllzwerge

Es war einmal … in einem Wald. Da lebten die Zwerge und achteten auf die Natur und passten auf, dass alles im Gleichgewicht blieb. Als nach vielen hundert Jahren auch die Menschen diesen Wald für sich entdeckten, da war für diZwerge noch viel mehr zu tun. Denn manche der menschlichen Waldbesucher schmissen achtlos ihren Müll in die Natur und dachten sich nichts weiter dabei.

Auch Tobias warf beim Wandern eine leere Plastikflasche achtlos in den Wald hinein und als ihn die Mutter fragte, wo die Flasche denn geblieben wäre, da mogelte er und sagte, er hätte sie irgendwo verloren. Bei der Plastikfolie des Müsliriegels machte er es genauso und auch die Bananenschale landete am Waldboden.

Die guten Zwerge waren schon aufmerksam geworden auf Tobias, denn sie ärgerten sich furchtbar, wenn jemand seinen Abfall im Wald hinterließ. So auch diesmal. „Wenn er noch einmal etwas wegschmeißt, dann müssen wir ihm wohl eine Lehre erteilen!“, meinte der älteste Zwerg. „Dreimal haben wir nun schon ein Auge zugedrückt, ein viertes Mal werden wir das nicht tun!“

Und wirklich, nach einer Weile, da aß Tobias sein Wurstbrot auf und ließ die Alufolie, in der es eingepackt war, einfach beim Gehen fallen.

„So nicht!“, rief einer der Zwerge wütend. Und sie überlegten, wie sie dem Jungen eine Lehre erteilen konnten.

Als Tobias von der Wanderung nach Hause kam, da erschrak er, als er sein Zimmer betrat. Denn auf seinem Bett lag der ganze Müll, den er während des Tages im Wald achtlos weggeworfen hatte. Auf einem Zettel stand die Botschaft der Zwerge geschrieben: „Der Wald ist keine Müllhalde! Hier hast du deinen Müll zurück!“

Ab diesem Tag war Tobias bewusst geworden, dass es falsch war, seinen Müll einfach dort fallen zu lassen, wo es ihm gerade gefiel. Seine Achtlosigkeit hatte die Zwerge dazu veranlasst, dem Jungen einen kleinen Streich zu spielen und ihre Aktion zeigte Erfolg. Ab sofort wurde Tobias achtsamer im Umgang mit seinem Abfall. Beim Wandern nahm er den Müll jetzt entweder mit nach Hause oder er warf diesen in einen Mülleimer am Wegesrand.

Die Zwerge waren zufrieden mit Tobias und spielten ihm ab diesem Zeitpunkt auch keine Streiche mehr. So hatte ihre beherzte Aktion dafür gesorgt, dass Tobias Zeit seines Lebens keinen Müll mehr in der Natur wegwarf, und er machte nun auch andere Menschen darauf aufmerksam, dass jeder etwas dazu beitragen kann, die Umwelt zu schützen.  

(c) Nina Stögmüller

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Der Drachenfrosch

Es war einmal ein Frosch, der stammte aus einem alten Drachengeschlecht. Nur dass die Familienmitglieder dieses Frosches schon lange nicht mehr aussahen wie Drachen, und eigentlich wussten sie es gar nicht mehr. Nur mehr ein uraltes silbernes Fliegentablett erinnerte daran, es war noch vom Wappengeschlecht der Drachenfrösche geziert und erzählte davon, dass sich einst ein Drache unsterblich in ein Froschweibchen verliebte. Auf dem silbernen Tableau war eine Froschdame und ein Drache zu sehen, und sie küssten sich und küssten sich und küssten sich. Dieser ewige Kuss wurde also verewigt und in das Wappen der Drachenfrösche aufgenommen. Damals, vor langer, langer Zeit.

Unser Frosch kannte die alte Geschichte, von den Fröschen mit den Drachenschwänzen und den Drachen mit den Froschaugen. Aber gesehen hatte er noch nie so ein seltsames Mischwesen. Dass er selber ein Nachkomme dieses edlen Drachenfroschgeschlechts war, hätte er sich wohl niemals im Leben träumen lassen. Zeit seines Lebens litt dieser Frosch unter sehr schlechtem Atem, es stank schwefelig aus seinem Maul und manchmal rauchte es sogar heraus. Eines Tages war der Rachen des Frosches so heiß geworden, dass ihn seine Froschmutter deswegen zum Froschdoktor schickte. Dieser sah in seinen heißen Rachen hinein und musste feststellen, dass der Froschschlund nicht nur entzündet war, sondern schon fast brannte. „Husten Sie mal“, sagte der Onkel Froschdoktor. Und im nächsten Moment versengte ihm der Frosch mit einem kleinen Hüstler das ganze Doktorgesicht.

Jetzt musste der Onkel Doktorfrosch ordentlich husten, denn der Drachenfrosch hatte ihm das halbe Behandlungszimmer in Brand gesteckt. Schnell löschte der Froschdoktor die Feuersbrunst und wollte mit der Behandlung fortfahren. „Also gibt es euch doch noch!“, sagte er, als er dem Drachenfrosch in die Augen leuchtete. „Was meinen Sie damit?“ – „Euch Drachenfrösche, und wir  Doktorfrösche dachten schon, ihr währt ausgestorben!“

So erfuhr der Drachenfrosch an jenem Nachmittag, dass er nicht unter entzündeten Mandeln litt, sondern einen Rachen besaß, mit dem er Feuer speien konnte. Der Froschdoktor war sehr weise und so sagte er dem Drachenfrosch, dass es wohl eine Gabe sei, das Feuer in sich zu tragen, dass man diese Gabe wohl einzusetzen wissen müsse, um kein Unheil anzurichten und niemanden einen Schaden zuzufügen. Der Drachenfrosch versprach´s und ging fröhlich pfeifend nach Hause. Beim Pfeifen entwichen seinem Froschmaul kleine Rauchringe, die sich je nach Melodie in die dazu passenden Noten verwandelten.

Als er zu Hause angekommen war, da freute sich die Mutter als sie hörte, dass ihr Sohn nicht krank war. Doch als Froschsohnemann davon erzählte, dass er Feuer speien könne, da wurde der Mutter ganz schlecht. „Mein Sohn ist ein Monster“, dachte sie und sah traurig drein. Da zeigte ihr der aufgeweckte Drachenfrosch das alte Silbertablett, das irgendwann am Teichboden gelandet war und seitdem da unten vor sich hin rottete und schon ganz grün war vor lauter Algen. „Da schau her, liebe Froschmutter, das sind unsere Vorfahren, ein Drache und ein Frosch! Und darum bin ich auch in der Lage Feuer zu speien, der Froschdoktor hat gemeint es sei eine Gabe!“

Doch die Mutter war da ganz anderer Meinung. „Nicht ganz normal“, das war der Ausdruck, den sie fortan verwendete, wenn sie auf die „Gabe“ ihres Sohnes angesprochen wurde. „Für was soll diese Gabe denn gut sein?“, fragte sie ein paar Tage später den Froschdoktor, weil sie keinen Rat mehr wusste. Doktor Frosch konnte ihr auch keine Antwort geben, denn Frösche braten ihre Fliegenbeute nicht im Feuer, sondern verschlingen sie bei lebendigem Leib.

„Den ganzen Wald wird er uns noch abfackeln mit seinen Feuerspielchen!“, jammerte die Mutter und machte sich große Sorgen um den guten Ruf ihrer Familie. Doch der Drachenfrosch freute sich über sein Geschick als Einziger Feuer speien zu können und beeindruckte seine Froschfreunde des Nachts, wenn er am Teich saß und die Dunkelheit immer wieder mit seinen Feueratem erhellte.

Doch eines Tages, da kam der älteste Frosch des Teiches daher gehüpft und wollte so schnell wie möglich den Drachenfrosch sprechen. „Was ist denn mit dir los?“, fragte die Mutter, „warum bist du denn so aufgeregt?“

So erzählte der Froschälteste was sich zugetragen hatte im Nachbarteich: „Gestern Mittag, ich habe es mit eigenen Augen gesehen, ich war zu Besuch bei meiner Base und da geschah es! Ein riesiger Drache kam geflogen und trank einfach den Teich leer. Vor lauter Durst schluckte er gleich unzählige Frösche mit dem Teichwasser hinunter und merkte es wohl nicht einmal. Meine Base und ich überlebten, weil wir uns gerade am Ufer aufhielten, aber viele, viele andere Frösche landeten im Drachenbauch. Was ist, wenn dieser Drache als nächstes zu unserem Teich kommt und ihn vor lauter Durst auch noch austrinkt!?“, der Froschälteste hatte große Angst.

Doch der Drachenfrosch witterte seine Chance, seine Feuerspei-Gabe endlich für etwas Sinnvolles einsetzen zu können. „Weißt du was“, sagte er, „wenn der Drache kommt dann speie ich einfach Feuer!“

„Ja und was machst du dann?“

 „Keine Ahnung! Mir wird schon etwas einfallen!“, sagte der Froschdrache vergnügt.

Die Tage vergingen und es war weit und breit kein Drache zu sehen. Doch eines Nachmittags, es war ein ziemlich heißer Sommertag, da legte sich plötzlich ein großer Schatten über den Froschteich - der Drache war im Anflug! Schnell begab sich der Drachenfrosch in Position und spie so viel Feuer wie er nur konnte. Kurz bevor der Drache damit beginnen wollte, auch diesen Teich auszutrinken, bemerkte er das klitzekleine Flämmchen am anderen Teichufer. Er brauchte sich nicht einmal bewegen um den Teich zu umrunden, so groß und lang waren sein Kopf und sein Hals. Als der Drache, der eigentlich eine Sie war, den Drachenfrosch entdeckte, da schnaubte dieser vor Entzücken. „Nein so etwas Niedliches habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen!“ Freundlich stupste die Drachendame den Drachenfrosch mit ihren heißen Nüstern an. Der Drachenfrosch fühlte sich geehrt, von einem echten Drachen bemerkt worden zu sein! Doch was nun? Die Drachendame verliebte sich auf den ersten Blick in den kleinen Drachenfrosch und nahm ihn mit in ihre Höhle. Auch dem Drachenfrosch gefiel seine neue Freundin sehr gut. Der Größenunterschied störte sie beide überhaupt nicht. Und wenn man die Drachendame genau betrachtete, dann hatte sie auch diese verräterischen Glubschaugen, so wie sie damals im Drachen-Frosch oder Frosch-Drachengeschlecht üblich waren. Also hatten sich zwei vom aussterben bedrohte Spezies auf wundersame Weise wieder gefunden. Und natürlich sorgten die beiden schnell für Nachwuchs und so kamen viele neue Froschdrachen und Drachenfrösche auf die liebe Welt.

Und wenn der Drachenfrosch und die Froschdrachendame nicht gestorben sind, dann speien sie noch heute Feuer und küssen sich und küssen sich und küssen sich. Ganz so wie damals auf dem Silbertablett J!

Küsse gut, alles gut!

Autorin: Nina Stögmüller

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Der Werfrosch
(Ein Märchen nach einer gezeichneten Idee von Stefan Kahlhammer

Es war einmal … ein Frosch, der war sehr unglücklich. Er hatte es satt, einer unter hunderten von anderen grünen Fröschen im großen Teich zu sein und wünschte sich nichts sehnlicher, als ein schöner Prinz zu werden. Angeblich war das einem Frosch schon einmal gelungen, warum sollte das nicht auch ein zweites Mal möglich sein? Zeit seines Lebens quakte er schon davon, zum Prinz zu werden. Und seine Froschkollegen hörten ihm mittlerweile gar nicht mehr zu, wenn er wieder einmal vom Prinz-Sein träumte.

 Eines Tages saß der unglückliche Frosch wieder einmal auf seinem Lieblingsseerosenblatt und sprach mit sich selbst: „Ach, wenn ich doch kein Frosch mehr sein müsste, und endlich ein Prinz sein könnte, ach wie wär´ das schön!“ Und der Frosch seufzte. Eine Libelle war auf den Frosch aufmerksam geworden und gesellte sich zu ihm. „Was willst du, ein Prinz willst du sein?“ Und der Frosch nickte. „Da soll es eine Hexe geben im Wald, die so was kann! Besuch´ sie doch mal und versuch´ dein Glück!“, und fort war sie wieder die Libelle und der Frosch machte große Augen. Den Teich verlassen und in den Wald gehen? Das klang irgendwie ungemütlich. Doch der Frosch war mutig und wollte so gern ein Prinz sein, also machte er sich noch am selben Tag auf die Reise um die Hexe im Wald zu finden.

Und wirklich, er entdeckte schon bald das Hexenhaus im Wald und weil er so klein war und nicht an die Tür klopfen konnte, hüpfte er gleich direkt beim offenen Fenster in die gute Hexenstube. Man muss wissen, dass Frösche damals sehr oft als Zutaten für Zaubertränke verwendet wurden und so hatte der Frosch großes Glück, dass er vorerst noch am Küchentisch landete und nicht gleich im Hexenkessel.

 

„Was willst du glitschiges Tier auf meinem Küchentisch?“, fauchte ihn die Alte an.

 

„Oh, entschuldigen Sie vielmals, ich wollte Sie nicht stören!“

 

„Na, dann zisch wieder ab, oder ich verkoche dich zu Glibbersaft!“

 

Der Frosch konnte es sich gerade noch verkneifen, danach zu fragen, was denn Glibbersaft sei, aber interessiert hätte ihn dieser Saft schon. Doch sein Leben war ihm lieber als seine Neugierde und so hielt er besser den Mund.

Flugs sprang er zum Fenster hinaus und versteckte sich unter einem großen Huflattichblatt. Ganz hatte er die Hoffnung nämlich noch nicht aufgegeben, doch noch zum Prinzen verwandelt zu werden und so wartete er, bis es dunkel wurde, um sich dann wieder in die Hexenküche zu begeben.

Das Fenster war noch immer sperrangelweit offen und so war es ihm ein Leichtes ein zweites Mal in das Hexenhaus hineinzuspringen. Auch diesmal landete er am Küchentisch, nur leider hatte die Hexe gerade einen neuen Zaubertrank angesetzt, in den der Frosch jetzt in hohen Bogen mitten hinein sprang. „Platsch“ machte es und der Frosch strampelte um sein Leben. Der Topf war randvoll mit dem Trank und so schluckte der kleine Grüne ordentlich viel davon. Es war ein neues Haarwuchsmittel, das die Hexe ausprobieren wollte, um es dann teuer an Menschen mit Glatzen zu verkaufen, oder damit Leuten, die sie nicht mochte, Haare auf den Zähnen wachsen zu lassen, oder an anderen Körperstellen, an denen Haarwuchs eher unerwünscht ist.

Unser kleiner Frosch schaffte es irgendwie sich aus dem Topf zu strampeln. Vor lauter Schreck sprang er schnell wieder zum Fenster hinaus und hatte in seiner Todesangst ganz darauf vergessen, dass er eigentlich ein Prinz sein wollte. So schnell er gekommen war, so schnell hüpfte er jetzt wieder nach Hause zurück in seinen Heimatteich und erholte sich auf seinem Seerosenblatt von den Strapazen im Hexenhaus.

Schnell schlief er ein und als er am Morgen wieder erwachte, da war ihm ganz komisch zumute, denn rund um ihn waren alle Frösche des Teiches versammelt und starrten ihn an. Dem Frosch waren über Nacht Haare gewachsen, am ganzen Froschleib war er behaart und das sah wirklich sehr, sehr seltsam aus.

Als er sein Spiegelbild im Wasser erblickte, erschrak er und stieß einen so lautes Quaken aus, wie es noch nie ein Frosch zuvor vernommen hatte. Die anderen Frösche erschraken und suchten schnell das Weite. Sie glaubten, dass der Frosch zu einem Monster geworden war.

Doch je länger der Frosch sein Spiegelbild betrachtete, desto besser gefiel ihm sein neues Erscheinungsbild. Er war zwar kein Prinz geworden, aber dafür ein Frosch mit Haaren. Ab sofort gab er sich selbst den Namen „Der Werfrosch“, und wer ihn fragte, wo her seine Behaarung stamme, dem erzählte er ganz stolz die Geschichte vom großen bösen Werwolf gegen den er gekämpft hatte im Wald und deshalb nun auch selbst zum Werfrosch wurde. Irgendwann glaubte er seine Geschichte vom „Werfrosch“ wohl selbst und war stolz darauf, etwas ganz Besonderes zu sein. Vor lauter Überzeugungskraft wuchsen dem Fröschlein schließlich auch noch schaurig schöne Reißzähne. Denn Glaube versetzt bekanntlich Berge und ließ in diesem Fall einem Frosch Zähne wachsen. Und wenn der Vollmond über den Teich schien, dann nahm der „Werfrosch“ seine ganze stimmliche Froschkraft zusammen und quakte aus Leibeskräften den Mond an. Seine scharfen Reißzähne blitzen im Mondlicht und er war rundherum glücklich.

(c) Nina Stögmüller

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Die magischen Schuhe

Es war einmal ... ein Paar Schuhe. Die standen schon lange in einem Schuhgeschäft herum und langweilten sich. Längst waren sie im preisreduzierten Regal gelandet, und trotzdem wollte sie keiner haben. Doch eines Nachts, da kam die Schuhfee geflogen und erlaubte sich, in diesem Schuhgeschäft nach dem Rechten zu sehen. Oh was klagten da die Schuhe ihr Leid, dass sie ständig anprobiert - und dann doch nicht gekauft wurden. Doch unser Paar Schuhe konnte da gar nicht mitreden, noch nie war ein menschlicher Fuß in sie hinein geschlüpft, noch nie wurden sie von einem Menschen getragen. Doch die Schuhfee fand das gar nicht schlimm, denn ungetragene Schuhe sind etwas ganz Besonderes. Das wissen viele Menschen nicht, dass ein nigelnagelneues Paar Schuhe, das noch niemand anprobiert hat, magische Kräfte entwickeln kann. Und so verstärkte die Schuhfee die Kräfte der Schuhe, die bis jetzt noch niemand haben wollte, mit einem ganz besonderen Zauberspruch. "Wille, walle, wolle, Schuhkäuferin so tolle, schlüpf hinein, so sind sie dein, schlüpf hinein, das Schuhglück ist dein, so soll es sein!" Und so kam es wie es kommen sollte, beim nächsten Ausverkauf interessierte sich eine junge Frau für die Schuhe und probierte sie an. So ein gutes Gefühl hatte die Frau schon lange nicht mehr, die neuen Schuhe passten perfekt und der Preis war auch sehr in Ordnung. Als die Käuferin die neuen Schuhe zu Hause zu ihrem gelben Sommerkleid probierte, staunte sie nicht schlecht, als die vormals braunen Schuhe die Farbe wechselten und in dem schönsten Sonnengelb, das die Schuhwelt je gesehen hatte, ledern glänzten. So probierte die Frau schließlich ihre gesamte Garderobe durch und konnte voller Freude feststellen, dass die "neuen" Schuhe immer wieder die Farbe wechselten, und sich harmonisch an die Farbtöne der Kleidung anpassten. Ein echtes Schuhwunder! Die junge Frau hatte schuhtechnisch ausgesorgt. Nie wieder musste sie Schuhe kaufen gehen und nie wieder hatte sie ein Problem damit, dass die Schuhe nicht zum Rest der Kleidung passten. Auch unsere Schuhe freuten sich, dass sie von der Schuhfee so magische Fähigkeiten mit auf den Weg bekommen hatten. Das lange Warten hatte sich gelohnt, denn nun spazierten unsere Schuhe täglich durch die Welt und wenn sie heute nicht gerade gelb sind, dann sind sie vielleicht rosarot!   

(c) Nina Stögmüller  

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Der erste Kuss

Es war einmal ... ein Kuss, der noch nicht statt gefunden hatte. Es war ein ganz kleiner Kuss, so einer der den Anfang macht für einen wirklich großen Kuss. Doch gerade diese kleinen Küsse sind die besonders wichtigen, wenn es um den Beginn einer Liebe geht. Der erste Kuss besiegelt die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen, der erste Kuss ist magisch, denn es kann ihn wirklich nur ein einziges Mal geben. So begab es sich, dass ein junger Mann in ein Mädchen verliebt war. Sie verstanden sich gut, doch würden die Gefühle reichen, um diesen ersten Kuss stand zu halten? Beide fragten sich das insgeheim, denn auch das Mädchen war in den jungen Mann verliebt. Keiner traute sich so recht, den ersten Schritt zu tun und so lächelten sie sich zwar immer wieder liebevoll an, wenn sie miteinander sprachen, doch der erste Kuss schien in weiter Ferne. "Was, wenn sie mich nicht mag und mich gar nicht küssen will?", dachte sich der Bursch. "Vielleicht gefalle ich ihm gar nicht, und deswegen küsst er mich nicht?", grübelte das Mädchen. Doch da die jungen Leute in einer modernen Welt lebten, in der fast alles möglich war, und in der es für jeden Anlass einen eigenen Tag gab, kam es, dass der verliebte junge Mann vom Welttag des Kusses erfuhr. "Was für eine Gelegenheit!", dachte er! So verabredete er sich an einem 6. Juli mit seinem Augenstern und versuchte erst gar nicht darüber nachzudenken, was er da eigentlich tat. "Heute ist übrigens der Welttag des Kusses", sagte er bei der Verabschiedung so beiläufig wie möglich und sah dabei in die strahlendsten Augen der Welt. "Ja wirklich?", säuselte sie und blickte ihm dabei tief in die Augen. Jetzt waren alle Hürden genommen, und der erste kleine Kuss durfte sein Lieblingswerk tun, nämlich küssen! "Schmatz!", mmmh, der schmeckte wirklich gut! Der Welttag des Kusses hatte dazu beigetragen, dass sich die beiden Liebenden endlich trauten "mündlich" aufeinander zu zu gehen. Und angeblich wurde diese internationale Tag genau aus diesem Grund erfunden, dass es einen besonderen Tag im Jahr gibt, an dem alle ersten Küsse, die schon lange darauf warten geküsst zu werden, endlich möglich werden! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute! 

(c) Nina Stögmüller

*******************************************************************************************************Die Märchenfee und das Schlossgespenst

Es war einmal ... eine Märchenfee, die liebte es Märchen zu lesen, zu schreiben und zu erzählen. Da begab sie sich eines Tages auf ein Schloss im schönen Mühlviertel mit dem Namen "Schloss Weinberg". Im Turmzimmer fand die Märchenfee eine neue Schreibheimat und konnte gar nicht mehr aufhören zum Schreiben. 

Doch am Abend, da wurde sie sehr müde und legte sich bald zur Ruh. Kaum war die Märchenfee eingenickt, da erschien ihr im Traum ein Schlossgespenst und bat sie um Hilfe. "Liebe Märchenfee, jetzt wo du schon bei uns im Schloss bist, kannst du uns Geistern und Gespenstern vielleicht ein wenig helfen." Die Märchenfee glaubte zu träumen und sprach wie selbstverständlich mit dem freundlichen Schlossgespenst: "Was kann ich denn für dich tun, du Gespenst du!?"

"Weißt du liebe Märchenfee, die Menschen hier im Schloss glauben nicht mehr an uns. Sie sagen Geister gibt es nicht und seit so viele Leute unser schönes Schloss besuchen,  haben wir Schlossgespenster überhaupt keine Ruhe mehr, in jedem Winkel des Schlosses findet ein Seminar oder eine Veranstaltung statt und fremde Leute schlafen in unseren Zimmern!"

Als die Märchenfee tags darauf erwachte, konnte sie sich noch haargenau an den Gespenster-Traum erinnern. Sie sprach mit dem Schlossverwalter über den ungewöhnlichen Wunsch der Schlossgeister und gemeinsam kamen sie auf eine gute Idee. Künftig wurde den Gespenstern im Schloss ein eigenes Zimmer gewidmet, das hieß von nun an " Das Geisterzimmer", hier durften sie spuken wie sie wollten und wer sich in diesem Zimmer übernachten traute, der hatte am nächsten Tag viel zu erzählen. Es waren keine bösen Geister im Schloss sondern "nur" die lieben alten Schlossgespenster, die schon fast 800 Jahre in dem schönen Schloss ihr gespenstisches Dasein verbrachten. Manche geisterten in der Ahnengalerie im dritten Stock herum, andere kamen aus den Portraits an den Wänden, die man überall im Schloss entdecken konnte. 

Die Gespenster waren glücklich, dass ihnen die Märchenfee geholfen hatte, endlich wieder gewürdigt zu werden im Schloss. Als Dank dafür erzählten sie der leidenschaftlichen Schreiberin viele, viele Geschichten und Begebenheiten aus früherer Zeit, die sogleich in neue Märchen verwandelt wurden.  

(c) Nina Stögmüller

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Das kleine weiße Elfchen

Es war einmal ... ein kleines Mädchen, das wollte unbedingt einen Apfelbaum pflanzen. Das Mädchen hatte gehört, dass Äpfel auf Bäumen wachsen und dass Bäume aus Samen in der Erde empor wachsen. 

Eines Tages aß das Mädchen einen Apfel und sammelte die Kerne in einer kleinen Schale. Mit dieser Schale ging das Mädchen in den Garten, vergrub die Samenkerne in der Erde, dann goss es die Stelle mit Wasser und blieb erwartungsvoll davor stehen. 

Nach einer guten Stunde taten dem Mädchen die Beine weh und es setzte sich ins Gras. 

"Aua", hörte es plötzlich etwas unter sich rufen und sprang schnell wieder auf um nachzusehen, auf was es sich denn da drauf gesetzt hatte. 

Das Mädchen machte große Augen, im Gras saß eine kleine weiße Elfe und rieb sich das klitzekleine Schienbein. 

"Du hast dich auf mich drauf gesetzt!", beschwerte sich die kleine Elfe. 

"Entschuldige, ich habe dich nicht gesehen.", antwortete das Mädchen kleinlaut. 

"Ist nicht so schlimm, Elfenknochen heilen schnell und falls etwas Schlimmes passiert wäre, dann hätte ich mir einfach etwas Sternenstaub geholt, dann ist alles wieder gut!"

Das Mädchen staunte nicht schlecht über die kleine Elfe, die da im hohen Gras saß und wie selbstverständlich mit ihm sprach. 

"Was machst du denn hier?", fragte die Elfe das Mädchen.

"Ich habe vor einer Stunde einen Baum gepflanzt und warte, dass er wächst!" 

"Aha, und du glaubst also, dass dein Baum gleich vor dir hoch wächst, nachdem du ihn vor einer Stunde gepflanzt hast!?"

Das Mädchen nickte und starrte weiterhin auf die Stelle, wo es die Apfelsamen vergraben hatte.

"Jetzt weiß ich auch, warum du dich auf mich drauf gesetzt hast! Es ist nämlich immer so, dass wir Elfen nur dann in Kontakt mit Menschenkindern treten, wenn sie uns brauchen."

Die kleine Elfe erklärte dem Mädchen, dass ein Samenkorn viel Ruhe und Zeit braucht, bis es reifen kann und zu einem stattlichen Baum wird. Der Baum braucht dann auch noch eine Weile, bis er selbst Früchte tragen kann. So ist das eben in der Natur. Alles braucht seine Zeit. 

"So wie noch nie ein Meister vom Himmel gefallen ist, so ist auch noch kein Apfelsamen in einer Stunde zu einem Baum hoch gewachsen", erklärte die Elfe weiter. 

Das kleine Mädchen war schon ein bisschen enttäuscht, dass es so lange warten musste, bis das Samenkorn zu einem richtigen Baum werden würde. Viele Jahre sollte das dauern, so viele Jahre war das Mädchen doch selbst noch gar nicht alt!

"Was soll ich denn in der Zwischenzeit machen, bis mein Apfelbaum groß ist!?"

Die kleine Elfe lächelte: "Wenn du willst, dann bin ich immer für dich da und begleite dich, bis dein Baum Früchte trägt!"

Das Mädchen klatschte in die Hände und freute sich über seine neue kleine Freundin, die nur das Mädchen sehen konnte und die nur ihm allein gehörte. Eine Elfenfreundin zu haben, das war schon etwas ganz Besonderes! 

So schlossen die kleine Elfe und das kleine Mädchen Freundschaft und erlebten noch viele gemeinsame Abenteuer. 

(c) Nina Stögmüller

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